weil das Bauchgefühl uns die Richtung weist
 weil das Bauchgefühl uns die Richtung weist
Frau sitzt auf Bank und ist traurig (Bildquelle Pixabay)

Sexueller Missbrauch – das Leben danach & Oeg Tipps

Thema sexueller Missbrauch oder wie es heute auch genannt wird, sexualisierte Gewalt. Auf dieser Seite erzähle ich dir von dem Leben danach. Welchen Weg ich gegangen bin. Von Therapie, Klinik bis hin zum Oeg. Es hat länger gedauert bis ich mich an dieses Thema herangetraut habe. Weshalb? Weil ich zu den Opfern gehöre. Mir ist es in der Kindheit passiert. Und das prägt für den Rest des Lebens. Weshalb ich darüber schreibe? Weil es Zeit wird, weil ich meine Erfahrungen teilen möchte. Nein, ich schreibe nicht über den Täter, der ist es nicht wert das ich auch nur ein Wort über ihn verliere. Schon gar nicht auf meiner Homepage.

Auf dieser Seite werde ich mich oberflächlich zu meinen Erfahrungen äußern. Ihr dürft mir jederzeit eine E-Mail zusenden, wenn ihr Fragen habt...

Ein kleiner Tipp gleich zu Anfang. Ich habe keine Details der Tat oder Dinge aufgeschrieben die triggern könnten. Trotzdem, wenn du dir unsicher bist, lese es zusammen mit einer Person deines Vertrauens. Denn ich möchte das es dir gut geht während du auf meinen Seiten liest...

Karte mit Spruch, Gedicht über Freiheit ©Alexandra Schartmann

Leben nach dem sexuellen Missbrauch

Ich habe einige Therapien und Klinikaufenthalte wegen sexuellen Missbrauchs hinter mir. Zudem bekomme ich Opferentschädigungsrente (Oeg) und bin erwerbsunfähig. Das alles war ein langer Weg und oft wollte ich aufgeben. Betroffene wissen wie es ist, wenn du des öfteren auf die Bretter geschickt wirst. Deine Geschichte lässt es nicht zu das du normal leben, lieben oder auch glücklich sein kannst. Du funktionierst, dissoziierst und bist ein großartiger Schauspieler, denn niemand soll hinter die Fassade blicken. Ich beschreibe es mal als eine Seifenblase, in der man ist. Du bist dabei, auf der Arbeit und in deinem privaten Leben, aber die Seifenblase lässt das normale Gefühlsleben oder die Emotionen nicht zu dir durch. Eine Zeitlang lebst du vielleicht auch wie in einer Fata Morgana. Der Missbrauch liegt hinter dir, nun kannst du normal leben. Du lässt auch gar keinen anderen Gedanken zu, aber das dicke Ende kommt dann irgendwann. Deine Fata Morgana löst sich einfach auf. Böse, vielleicht nicht bei jedem, böse weil alles was du dir aufgebaut hast einfach puff macht und weg ist es. So kommt es einem vor. Dass es aber ein schleichender Prozess ist, der vom Tag des Missbrauchs an anfängt, wird einem erst später klar. So ging es mir zumindest.

Auszug Rabeneltern.org

Mädchen im Wald mit Teddybär (Bildquelle Pixabay)

Jährlich werden in Deutschland mehr als 10000 Fälle sexueller Gewalt an Kindern angezeigt. Die Dunkelziffer liegt bedeutend höher. Experten sprechen von bis zu 300000 Kindern, die jährlich allein in Deutschland Opfer von sexueller oder sexualisierter Gewalt werden. Mädchen werden etwas häufiger als Jungen Opfer sexueller Gewalt, so musste schätzungsweise jedes 3. bis 4. Mädchen in Deutschland sexuelle Gewalt erleben.

In mindestens 80 % der Fälle kommen die Täter aus dem Lebensumfeld des Opfers. Ca. 1/3 der Mädchen und 20 % der Jungen werden von Tätern aus der Familie (Väter, Stiefväter, Großväter, Onkel, Brüder) sexuell misshandelt. Der Fremde als Täter ist also eher eine Ausnahme, obwohl gerade Presseberichte die Angst vor dem Fremdtäter schüren.  Dass es in den meisten Fällen enge Verwandte oder andere Personen (Lehrer, Erzieher, Pfarrer, Trainer, Nachbarn etc.) aus dem Umfeld des Kindes sind, ist in der Öffentlichkeit immer noch ein Tabu.  Oftmals sind es Männer (und in selteneren Fällen auch Frauen), die als besonders kinderlieb und angesehene Bürger gelten, denen „das“ niemand zutrauen würde.

Wie wichtig ist eine gute Beziehung?

Das spannende ist, während meiner gescheiterten Beziehung litt ich so sehr unter dieser Beziehung, dass das andere wohl da war, ich aber nervlich nicht die Kraft hatte mich darum zu kümmern. Es funktionierte, sehr schlecht, aber ich funktionierte. Erst mit meiner zweiten Ehe wurde mir richtig bewusst wie scheiße es mir geht. Da ich endlich einen Mann hatte/habe der hinter die Fassade blickt, mich mit meinen Problemen akzeptiert und den Weg gemeinsam mit mir geht. So konnte ich es spüren, all die körperlichen und seelischen Schmerzen, meine enormen Ängste, das war und ist zum Teil noch sehr heftig.

Arbeiten unter erschwerten Bedingungen

Die liebe Arbeit, 25 Jahre habe ich es geschafft durch zu halten und dabei war es eine sehr ambivalente Sache. Die Arbeit gab mir Halt, ich verdiente gut und ich empfand so etwas wie stolz. Hier konnte ich meine Begabungen zeigen und es längte ab von den Sorgen. Das war die eine Seite der Medaille, die andere waren Bauchschmerzen und sehr viele Tränen. Ich war zwischendurch krank, wie jeder andere Mensch auch, aber man sah es ja nicht (wie Grippe oder anderes), also war es selbstverständlich das ich blaumachte. Und so erzählte ich nach elf Jahren in dieser Firma, dass ich sexuell missbraucht worden bin und deswegen hin und wieder nicht kommen kann. Meinen Kolleginnen erzählte ich es auch, da ein Artikel wegen meiner Selbsthilfegruppe in der Zeitung erschien. Half das, nein….ich machte immer noch blau.

All das fand ein Ende als ich von der Betriebsärztin in Reha geschickt wurde und die mich dann als arbeitsunfähig entließen….

Sexueller Missbrauch und die Öffentlichkeit

Was mich an dem Verhalten so mancher Menschen ankotzt? Wenn ein großer Bericht im Fernseher läuft über ein misshandeltes Mädchen (oder Jungen) dann ist die Empörung und das Entsetzten ja so groß. Haben diese Leute aber so jemanden vor sich sitzen wird er noch zusätzlich gemoppt, schikaniert und als Lügner hingestellt. Dann ist da nichts mehr mit Verständnis oder ähnliches…..Vielen Dank dafür…

 

Verständnislosigkeit, Sprachlosigkeit…Tabuthema sexueller Missbrauch…ich kann es verstehen, wenn man damit nicht umgehen kann. Es ist schwierig die richtigen Worte zu finden, und viele wollen von diesen Gräueltaten nichts hören. Möchten sich die Welt und ihre wundervollen Menschen schönreden. Jeder so wie es für ihn richtig ist. Aber muss ich Verständnis dafür haben das wir Frauen von der Selbsthilfegruppe gefragt werden, auf einer Ausstellung einer Gesundheitsmesse, was wir dort verloren haben? Uns ein Psychologe oder Therapeut sagt „Jetzt muss es aber mal gut sein“. Oder folgendes „Rente? Sie haben doch kein Arm verloren oder Krebs“. Lauft weit weg wenn ihr bei so einem in Behandlung seid…

Das böse Spiel

Kleiner Junge hält die Hände vors Gesicht (Bildquelle Pixabay)

Wer sich umdreht
und noch schweigt
trotz der Qual
von der er weiß

 

Wer die Augen schließt
den Blick versiegelt
trotz der Wunden
die er sieht

 

Wer weitergeht
mit leichten Schritten
trotz der Schreie
die er hört

 

Wer ignoriert
durch falsche Wahrheit
das böse Spiel
was er doch ahnt

 

Der macht nicht ungeschehen
was wirklich ist
verbannt die Grausamkeit
nicht in die Ferne

 

Hier - weinen unsre Erben
Hier - leiden kleine Kinder
Vielleicht, wer weiß, ist es dein Kind
das "morgen schon" missbraucht wird

 

WAS - machst du dann??
WER - steht dann noch neben dir??

 

Opferentschädigungsgesetz und OEG Rente

Opferentschädigungsrente durchs Opferentschädigungsgesetz…eine gute Sache, für Diejenigen die OEG Rente bekommen. Es ist kein leichter Weg, man sollte sich hier nichts vormachen. Oftmals wird es einem in der Presse suggeriert das man sich einfach an die entsprechenden Stellen wendet, um Zuschüsse zu bekommen. Es wird so dargestellt als wenn man es mal eben so nebenbei beantragen kann. Nein, so einfach ist das nicht. Ich habe es vor gut zehn Jahren in die Wege geleitet. Wie viele Gutachten hatte ich? Egal…Ich schreibe einfach den Weg auf den ich gegangen bin…

Der Verein Opferhilfe war mein erster Schritt

Zuerst war ich bei der Opferhilfe, das ist eine wirklich gute Sache. Wenn man möchte kann man sich erst einmal anonym melden. Ich war dort und es wurde sehr behutsam mit mir umgegangen. Hier bekam ich Informationen über die OEG und mir wurde ein guter Anwalt empfohlen, der mich unterstützen kann. Ich würde jedem dazu raten sich einen Anwalt zu nehmen um Hilfe zu haben. Noch besser ist es, wenn er sich mit diesem Thema auskennt. Da ich kein Geld hatte um ihn zu bezahlen, hat die Opferhilfe die Kosten übernommen. Dann füllt man die Anträge aus und wartet, wartet und wartet. Als nächstes musst du zu einem Gutachter. Hier darfst du nochmal Fragebögen ausfüllen und Rede und Antwort stehen. Es ist deprimierend sein Leben auf den Präsentierteller zu legen. Aber ohne Gutachten keine finanzielle Hilfe. Hier empfehle ich es, nicht allein zu diesem Termin zu gehen. Denn es ist eine sehr anstrengende Sache. Und noch etwas, erkundigt euch vorher wie der Gutachter/in drauf ist. Ihr könnt diese Person auch ablehnen. Nicht jeder Arzt ist auch ein guter Gutachter. Hast du diesen Termin hinter dir, wartest du wieder. Das Ganze kann sich bis zu zwei Jahre hinziehen, bis du endlich eine Entscheidung vom Landesamt hast.

GdB und GdS

GdB und GdS sind nicht ein und dasselbe. Der Gutachter bestimmt deinen GdB…und wie hoch von deiner GdB der GdS Anteil ist. Das heißt: GdB ist der Gesamtschaden/Krankheiten, die du hast. GdS ist der Teil, der die Schädigung des Missbrauchs ausmacht.

Ein Beispiel...ein Gutachten bestätigt dir ein GdB40. Davon sind 10 für allgemeine Erkrankungen und 30 für die Schädigung des Missbrauches. In der Welt da draußen gibt es viele Menschen, die einen GdB in dieser Höhe haben. Es mag nicht viel sein, aber es ist ein Anfang. Als Opfer bekommst du dann eine monatliche kleine OEG Rente. Es macht das Leid, das man ertragen musste und teilweise noch muss nicht wieder gut. Aber es hilft dir falls du finanzielle Hilfe benötigst. Weil du nicht den ganzen Tag arbeiten kannst. Oder du musst dich einfach mal erholen und machst dir einen schönen Tag.

Was habe ich von der OEG Rente

Circa alle drei-fünf Jahre wirst du zu einem neuen Gutachter Termin geschickt. Und es lohnt sich, trotz der aufreibenden Gespräche und die Überwindung die es einem kostet. Es ist nicht nur die Rente, die du bekommst, du brauchst auch den Tagessatz in der Klinik (falls du stationär in eine psychosomatische Klinik gehst) nicht zahlen. Die teuren Medikamente, am Jahresende kannst du dir einen Teil davon erstatten lassen. All die medizinischen Notwendigkeiten die dich Geld kosten, die mit der Tat im Zusammenhang stehen, kannst du dir erstatten lassen. Man sollte es nur vorher beantragen.

Doch wie schon gesagt, es ist nicht einfach da durch zu kommen. Ich bin unendlich froh darüber diesen schwierigen Weg gegangen zu sein. Denn heute bin ich durch den Missbrauch arbeitsunfähig, ich hätte nur eine kleine EU- Rente mit der ich kaum über die Runden kommen würde. Mein GdB ist hoch gestuft worden und dadurch bekomme ich auch den Berufsschadensausgleich vom Landesamt für Soziales, Jugend und Familie. So habe ich keine finanzielle Einbuße….

Therapie, jeder muss für sich entscheiden

Therapie….es gibt bestimmt diejenigen die ohne Therapie klar kommen. Sie haben einen anderen Weg gefunden das Ganze zu verarbeiten. Vielleicht gelingt es auch wesentlich besser, wenn du von Anfang an den passenden Partner hast. Ich hatte ihn nicht…So habe ich mich im Grunde genommen nicht genügend um mich selbst gekümmert. Ich war zu jung um zu kapieren was alles in mir abgeht. Ich lebte in meiner Seifenblase. Sie war nicht schillernd bunt, sie war grau und vernebelt. Aber selbst das bemerkte ich erst sehr viele Jahre später. Wäre es anders gewesen, würde es mir heute bessergehen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur das ich in den letzten Jahren Fortschritte gemacht habe. Kleine, aber wichtige. Die Therapie, die mir geholfen hat war eine die das Thema Trauma und Körper Bewusstsein innehatte. Zusätzlich mache ich eine Intervalltherapie in einer Trauma Klinik. Ich habe viel gelernt über meinem Körper und seine Signale, die er aussendet. Nur so konnte ich auch endlich reagieren, wenn ich in brenzlige Situationen gerate. Es klappt nicht immer aber es hilft. Doch das wichtigste überhaupt, nie wieder wird mich ein Mann (auch der Partner) so behandeln. Das werde ich nie wieder zulassen….

Du bist nicht alleine, rede mit anderen darüber

Eines solltest du dir bewusst machen. Du bist nicht allein. Heute gibt es zum Glück das Internet. Du kannst dich in Foren umschauen und vielleicht dort mitmachen. Dort hast du Menschen, die dich verstehen. Aber sei vorsichtig, es kann dich vielleicht auch mal triggern was dort geschrieben wird. Vielleicht wäre eine Selbsthilfegruppe etwas für dich. Habe den Mut dort anzurufen, falls du ängstlich bist. Siehe es dir an. Es ist gut sich direkt mit Menschen zu unterhalten die ähnliches mitgemacht haben. Die Leute, die so eine Gruppe leiten passen auf das nichts in der Gruppe geschieht was deinen Zustand verschlechtern würde. Falls du jemand bist der noch nie darüber gesprochen hat, höre auf damit…Höre auf damit ein Geheimnis daraus zu machen. Es schadet dir. Befreie dich von diesem auferlegten Zwang. Und wenn du nur damit anfängst anonym in einem Forum zu schreiben. Damit du wieder etwas mehr Luft bekommst…..

Es gibt immer Menschen die dir zuhören….und dir glauben…

Junge hält sich am Zaun fest (Bildquelle Pixabay)
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